A A A
Erlebnispfad Pulheimer Bach

Kleine Eiszeit III

Kleine Eiszeit am Entdeckerpfad

und trotzdem fließt das Wasser

1.jpg
Am Entdeckerpfad bei Driftblock 2; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Besonders lohnenswert ist derzeit ein Ausflug zum Entdeckerpfad nahe der Erzählstation 4 des Wassererlebnispfades Pulheimer Bach. Trotz Dauerfrost seit Monatsbeginn schütten die Quellen und sind die meisten Zubringer des Pulheimer Baches nicht zugefroren.

Eine kleine Bildergeschichte soll Ihnen dies und auch manche derzeit zu sehenden Spuren des Wassers erläutern?

2.jpg
Am Entdeckerpfad bei Driftblock 4; Aufnahme vom 3. Februar 2012: Lufttemperatur -7° C

Das Quellwasser hat bei seinem Austritt eine Temperatur, die ganzjährig nur wenig um die 10° C schwankt. Das wurde von der Bach-AG der GGS Sinthern-Geyen in Langzeitmessungen festgehalten (dazu gibt es einen Bericht in http://www.erlebnispfad-pulheimer-bach.de//download/Temperaturen.pdf)

3.jpg
Das Diagramm stammt aus dieser Vorlage.

4.jpg
Am Entdeckerpfad bei Driftblock 1; Aufnahme vom 3. Februar 2012: Lufttemperatur -7° C

Das Quellwasser fließt rasch hangab. Es wird deshalb wenig abgekühlt und speist den Hauptbach, ohne einzufrieren.

5.jpg
Kerbe am Entdeckerpfad bei Driftblock 3; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Ein Kerbtälchen bei Driftblock 3 führt kein Wasser, obwohl wenige Tage zuvor noch ein Wasserfall herunter stürzte. Mit dem Kälteeinbruch gefror das Oberflächenwasser, das nach kräftigen Regenfällen von der Glessener Höhe herunter kam; der Nachschub blieb aus.

6.jpg
Kaskade am Entdeckerpfad bei Driftblock 3; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Die Kaskade fiel trocken, aber die „Erosionswaffen“ des Wassers, aufgearbeitete Gerölle, die der Rhein vor über 600.000 Jahren hinterlassen hat und die heute in der Beileitung abtransportiert werden, sind deutlich zu sehen.

Zur Flussgeschichte siehe: http://www.erlebnispfad-pulheimer-bach.de//download/Pulheim%20am%20alten%20Rhein.pdf

7.jpg
Kolke am Entdeckerpfad bei Driftblock 3; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Kleine Kolke mit den Geröllen, deren drehende Bewegungen bei fließendem Wasser die Eintiefungen bewirken, sind ebenfalls trocken.

8.jpg
Am Entdeckerpfad bei Driftblock 3, direkt am Fuß des Wasserfalles; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Am Fuß des Wasserfalles liegt neben Geröllen auch feineres Sediment, das die Fließbewegungen des wenige Tage zuvor abgeströmten Oberflächenwassers nachzeichnet. Ein letzter Rest dieses Wassers blieb in einer Pfütze stehen, die völlig durchgefroren ist (weiße Fläche). Die Pfütze wirkt weiß, weil sich nach dem Zufrieren bei absinkendem Wasserspiegel auf der Unterseite der Eisfläche aus dem Wasserdampf des sich bildenden Hohlraumes durch Resublimation (unmittelbarer Übergang eines Stoffes vom gasförmigen in den festen Zustand) Reifkristalle anlagerten. Sie haben ein hohes Reflexionsvermögen und bewirken damit die weiße Farbe.

9.jpg
Interflow-Austritt am Entdeckerpfad bei Driftblock 3, direkt am Fuß des Wasserfalles; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Dunkel dagegen wirkt das Eis, das sich an der Wand des Kerbtälchens bildete. Das Wasser hatte sich bei den kräftigen Regenfällen in geringer Tiefe unter der Bodenoberfläche gesammelt und trat an der Wand der Kerbe aus (sogenannter Zwischenabfluss oder Interflow). Hier gibt es auch bei eintretendem Frost noch einige Stunden Nachschub. Das Wasser des Interflow war allerdings kälter als das Quellwasser.

Siehe auch die Tafel „Dem Wasser auf der Spur“

http://www.erlebnispfad-pulheimer-bach.de//download/DemWasseraufderSpur_11-10-31.pdf

10.jpg
Am Entdeckerpfad bei Driftblock 3, direkt am Fuß des Wasserfalles; Röhre mit Erosionsspuren durch austretendes W
asser (Interflow); Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Auf der gegenüber liegenden Seite der Kerbe ist noch deutlich erkennbar, dass durch austretendes Wasser Abtragung von Bodenmaterial erfolgt ist. Auch dieses Wasser stammte aus dem Zwischenabfluss (Interflow).

11.jpg
Sickerquellen-Austritt am Entdeckerpfad bei Driftblock 3, direkt am Fuß des Wasserfalles; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Wenige Meter unterhalb Driftblock 3 tritt dann eine kleine Sickerquelle aus, erkennbar unter anderem daran, dass nach vier Tagen Dauerfrost noch Wasser fließt. Die Schüttung jedoch ist gering. Das führt dazu, dass viel Wasser auf seinem Weg zum Hauptbach gefriert.

12.jpg13.jpg
Einmündung der Beileitung von der Glessener Höhe in den Pulheimer Bach am Entdeckerpfad bei Driftblock 2; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Deshalb wird der Pulheimer Bach an der Einmündung der Beileitung durch einen mächtigen Eispanzer begrenzt.

14.jpg
Beginnende Eisbildung im Pulheimer Bach am Entdeckerpfad bei Driftblock 2; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Im Bach, der zahlreiche Quellen vereint, bildet sich wenig Eis am Ufer, das als Folge eines sinkenden Wasserstandes in verschiedenen Stockwerken über dem Wasserspiegel zu schweben scheint. Hier sitzen an der Unterseite und am Rand ebenfalls Reifkristalle, die durch Resublimation zu erklären sind.

15.jpg
Beginnende Eisbildung im Pulheimer Bach; Aufnahme vom 4. Februar 2012; Lufttemperatur -6° C

Im Zusammenspiel von Blasenbildung, Verwirbelungen, Antauen, und Wiedergefrieren entstehen fragile Ornamente, die meist sehr kurzlebig sind.

Wie man erkennen kann: Der Entdeckerpfad ist auch im Winter einen Besuch wert.

Zu den Rahmenbedingungen

Der brutale Kälteeinbruch, unter dem weite Teile Europas leiden, ermöglicht am Pulheimer Bach Wassererlebnisse besonderer Art. Nach mehreren Frostnächten zum Monatsende gingen die Temperaturen in der Nacht zum 1. Februar deutlich in den Keller. Seitdem herrscht Dauerfrost, wie die Temperaturkurve (rot) im Diagramm zeigt.

16.jpg
Quelle: www.pulheimwetter.de

Bei den derzeitigenTemperaturen, deren Maximum noch unter -3° C liegt, geht Wasser, wie der Wissenschaftler sagt, vom flüssigen in den festen Aggregatzustand über. Eiskristalle wachsen aus dem Boden, säumen das Bachufer, in Tümpeln wird die Eisdecke, die sich schon in der ersten kalten Nacht gebildet hatte, immer dicker und aus der Luft scheidet sich Reif ab.

Kennt man doch, meinen Sie. Sicher, Sie haben Recht. Aber die plötzliche und markante Temperaturabsenkung hat für das Rheinland Erstaunliches und Seltenes zustande gebracht. Besonders lohnenswert ist derzeit ein Ausflug zum Entdeckerpfad nahe der Erzählstation 4 des Wassererlebnispfades Pulheimer Bach. Wenn Sie mit dem Fahrzeug kommen, können Sie in der Nähe der Feuerwehr Glessen parken. Mit dem Bus müssen Sie an der Haltestelle „Im Selch“ in Glessen aussteigen. Es sind dann nur wenige Schritte bis zu den Erläuterungstafeln an der Erzählstation 4 und zum Einstieg in den Entdeckerpfad.

Anbei die Karte des Entdeckerpfades:

17.jpg

FVAVANTGRD0708 1.5 RGSTRD
© 2019 L.E.B